Pressestimmen

WIDERSPRUCH 62

Care, Krise und Geschlecht

(...) An der Tagung des WIDE-Netzwerks, deren überarbeitete Referate ein Kernstück des Heftes sind, wurde ausdrücklich «für eine Politisierung der Care-Arbeit» plädiert. Mit den aktuellen Krisen verstärkt sich der Druck auf Haushalte, öffentliche wie private. Wiederholt wird auf Mascha Madörin verwiesen, die als feministische Ökonomin in der Schweiz dazu beitrug, dass «die bezahlte und unbezahlte Sorge- und Versorgungswirtschaft» – so ihre Kürzestdefinition von Care – endlich als zentraler, in der Dimension völlig unterschätzter Faktor wahrgenommen wurde. (...)

Rezension von Hans Steiger im PS vom 14. Februar 2013

Die neue Nummer des «Widerspruch» handelt von der Krise der Care-Arbeit, also der betreuenden, pflegenden und versorgenden Arbeit. Die Zeitschrift «Widerspruch» erscheint zweimal jährlich. Das letzte Jahr war eine Ausnahme, denn der langjährige Redaktor Pierre Franzen erkrankte, so dass die Herbstnummer ausfiel.
Im hier gekürzt wiedergegebenen Editorial des neu im Rotpunktverlag erscheinenden «Widerspruch» steht zur Krise der Care-Arbeit folgendes: (...)

Rezension von R.L. auf www.infosperber.ch

Reichtum umverteilen

Wer versorgt uns noch, wenn der Sozialstaat weggespart wird? Die Wirtschaftskrise wird zunehmend zur Sorgekrise. Der neuste «Widerspruch» bietet einige spannende und gut lesbare Analysen.
Es gibt die Ökonomie, die von wichtigen Männern an grossen Universitäten gelehrt wird. Und dann gibt es die feministische Ökonomie. Es ist vergleichbar mit der Biologie, die sich mit allem Lebendigen beschäftigt – die Biologie hat
ihre Fach- und Untergebiete wie Zoologie (Tierkunde) und Ornithologie (Vogelkunde) oder Malakologie (Schnecken- und Würmerkunde).
Die feministische Ökonomie ist im grossen Reich der Wirtschaft etwa auf der Ebene der Schneckenkunde angesiedelt – zumindest in der Wahrnehmung derer, die in der Öffentlichkeit definieren, was Ökonomie ist. Derweil der Begriff «Ökonomie» sich aus dem griechischen «oikonomos» («WirtIn» oder
«HaushälterIn») herleitet, womit man genau dort landet, wo die feministische Ökonomie hinschaut: beim Ganzen und nicht nur beim ökonomischen Bereich, der in Geld bemessen wird. ...

Rezension von Susan Boos in der WOZ vom 21. Februar 2013

Zum Tag der Frau am 8. März: Care, Krise und Geschlecht

Wer sich fragt, warum sich im Tourismus hartnäckig der Traum von Ferien hält, die keine Wünsche offen lassen, in intakter Natur, zu billigsten Preisen - dem bietet der neue Widerspruch zu "Care, Krise und Geschlecht" gute Erklärungsansätze.

Denn auch der Tourismus ist eine "Care-Ökonomie": Fürsorgende Beziehungen wie die in fast allen ursprünglichen Gesellschaften natürliche Gastfreundschaft Reisenden gegenüber werden professionalisiert und kommerzialisiert - womit der mittellosen Kundschaft der Zugang verwehrt wird und der zahlenden nunmehr keine Gastfreunde zur Seite stehen, sondern Dienstpersonal. Im Streben nach Effizienz und Profiten von Hoteliers und Reiseveranstaltern werden die Löhne für pflegende, sorgende und versorgende Tätigkeiten - Reisende begleiten, ihre Wäsche Waschen, sie verpflegen, bedienen usw. - über Leiharbeit, Kleinpensen und prekäre Anstellungsverhältnisse nach unten gedrückt. Wie in jeder "Care-Ökonomie" wird der Grossteil dieser Tätigkeiten von Frauen ausgeübt, die gerade auch in den oberen Chargen weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen in gleicher Position. ...

Rezension von Arbeitskreis Tourismus und Entwicklung

Care prekär

Von einer Krise der Betreuung, Fürsorge und Pflege ist in Medien und Politik öfter die Rede. Versorgungslücken und explodierende Kosten werden diagnostiziert, jüngere Generationen auf ein Leben «nach dem Sozialstaat» eingestimmt. Das neue Widerspruch- Heft zum Thema «Care, Krise und Geschlecht» zeigt, dass tatsächlich Grund zur Sorge besteht. Nicht nur aufgrund sich abzeichnender Versorgungslücken, sondern vor allem wegen der Art und Weise, wie diese bewältigt werden: durch weitere Rationierung von Gesundheitsleistungen, Ausbeutung billiger ausländischer Arbeitskräfte, Abbau und Kommerzialisierung gemeinwirtschaftlicher Leistungen.

Rezension von Johannes Gruber im vpod-Magazin, März 2013

Haus- und Betreuungsarbeit muss öffentlich anerkannt werden

Die neue Ausgabe der Zeitschrift Widerspruch widmet sich jetzt dem Themenbereich «Care, Krise und Geschlecht» und befördert die verschiedenen Facetten der Care-Ökonomie ans Tageslicht. Die AutorInnen thematisieren
nicht nur die Ursachen, die zu Armut, ungerechten Arbeitsverhältnissen und Ausbeutung führen. Anhand von spannenden Forschungsresultaten werden schichts- und geschlechtsspezifische Ausprägungen und Folgen erläutert. Die vorgestellten Studien stammen aus der Schweiz und dem Ausland
– denn die Problematik ist längst globalisiert.

Rezension in Neue Wege vom April 2013