Beiträge gesucht für WIDERSPRUCH 86 / 2026
Zum Thema "Widerstand in schweren Zeiten" (Arbeitstitel) werden kürzere und längere Beiträge, Essays, Thesenartikel, Statistiken, Karten usw. (von 3’000 bis max. 25'000 Zeichen) sowie Tagungsberichte und Rezensionen gesucht.
Widerspruch 86 interessiert sich für die Frage, wie sich unter Bedingungen verschärfter gesellschaftlicher Spannungen Formen von Widerstand und Gegenmacht herausbilden.
Gesucht sind theoretisch informierte Einschätzungen, Fallstudien und Reflexionen, die Widerstand aus der Perspektive gesellschaftlicher Akteur*innen, Bewegungen und Konflikte beleuchten und ihn unter dem Blickwinkel der Dialektik der Geschichte untersuchen. Zu welchen aktuellen und historischen Formen von Widerstand greifen und griffen Menschen, wenn sozialistische, feministische und progressive Errungenschaften bedroht sind?
Einige Gedanken sowie verschiedene Fragen dazu findest Du, finden Sie im angefügten Aufrisspapier 86 hier. Gerne möchten wir Sie/Dich einladen, zu obigem Thema einen Beitrag vorzuschlagen.
Bei Interesse sende/n Sie Ihre/Deine Skizze (eine halbe Seite mit Thema, These, geplanter Struktur und gewünschter Zeichenzahl) bis spätestens 13. April 2026 an [email protected]. Wir werden die Skizzen prüfen und Ihnen/Dir baldmöglichst eine Rückmeldung geben.
Redaktionsschluss für die ausgearbeiteten Beiträge ist der 22. Juni 2026.
Bei der Redaktion der Beiträge ergeben sich in der Regel Vorschläge zur Überarbeitung. Die Redaktion bittet die Autor*innen, redaktionelle Vorschläge zu prüfen und bis Ende Juli umzusetzen. Das Heft wird voraussichtlich Mitte Oktober 2026 erscheinen.
Aufrisspapier Widerspruch Nr. 86: Widerstand in schweren Zeiten
Was sind das für Zeiten, wo
Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist
Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschliesst!
Der dort ruhig über die Strasse geht
Ist wohl nicht mehr erreichbar für seine Freunde
Die in Not sind?
Mit den finsteren Zeiten, in denen Bert Brecht lebte, wollen wir keinen Vergleich anstellen. Gleichwohl verdichten sich gegenwärtig Krisen, Konflikte und gesellschaftliche Verwerfungen in auffälliger Weise. Globale Machtverschiebungen, Kriege, autoritäre Tendenzen, soziale Polarisierungen und ökonomische Unsicherheiten prägen vielerorts die politische Erfahrung. Gerade erst blickten wir mit Entsetzen auf die Massaker in Palästina, im Sudan und Iran, um einen Wimpernschlag später zu vernehmen, dass Rojava vor dem Aus zu stehen droht und dass selbst zerstörte Lebensräume wie Gaza zunehmend unter Gesichtspunkten ökonomischer Verwertung diskutiert werden.
Widerspruch 86 interessiert sich für die Frage, wie sich unter Bedingungen verschärfter gesellschaftlicher Spannungen Formen von Widerstand und Gegenmacht herausbilden. Im Zentrum stehen Beiträge, die danach fragen,
unter welchen Bedingungen Widerstand entsteht,
welche politischen, sozialen oder kulturellen Formen er annimmt,
welche Möglichkeiten, Ambivalenzen und Kosten damit verbunden sind,
und wie sich gegenwärtige Dynamiken historisch einordnen lassen.
Gesucht sind theoretisch informierte Einschätzungen, Fallstudien und Reflexionen, die Widerstand aus der Perspektive gesellschaftlicher Akteur:innen, Bewegungen und Konflikte beleuchten und ihn unter dem Blickwinkel der Dialektik der Geschichte untersuchen. Zu welchen aktuellen und historischen Formen von Widerstand greifen und griffen Menschen, wenn sozialistische, feministische und progressive Errungenschaften bedroht sind?
In den USA organisieren sich Menschen in ihren Communities gegen die massenhafte Abschiebekampagne der Trump-Regierung, die unter Anwendung massiver Repressionsmassnahmen von den ICE-Einheiten ausgeführt wird. Dies in einem Land, durch das eine Welle der Destruktion und Disruption fegt; angefangen mit Kampagnen gegen «Diversität» - sei es sexueller, politischer oder ethnischer Art - bis hin zur aussenpolitischen Linie, die…
wieder auf direkte Eingriffe in Lateinamerika bis hin zu Regime-Change setzt, zuletzt in Venezuela. Hier interessiert z. B., auf welche politischen Traditionen und historischen Erfahrungen die US-Intervention trifft. Wie sind diese Reaktionen vor dem Hintergrund des Sozialismus des 21. Jahrhunderts zu verstehen? Wie wird in der lateinamerikanischen Linken mit dessen Versprechen, Brüchen und inneren Widersprüchen umgegangen? Auf welche Kämpfe und Traditionslinien der lateinamerikanischen Linken lohnt es erneut zu blicken? Und schliesslich auch: Was unternehmen lateinamerikanische linke und feministische Organisationen gegen die aggressive US-Politik, nicht zuletzt auch mit Blick auf weitere lateinamerikanische Länder (Honduras, Kuba) sowie die internationale Solidarität und deren lange, teils verschüttete Geschichte.
Seit Wochen dringen Bilder vom Iran nach aussen, von Strassenkämpfen und zuletzt immer häufiger von toten Körpern, von Begräbnissen, Leichensäcken und Trauerfeiern. Diese Bilder knüpfen an eine lange Geschichte von Protest und Repression an, insbesondere an eine Geschichte weiblicher und feministischer Kämpfe.
Auch Nordostkurdistan / Rojava steht erneut unter massivem Druck. Militärische Angriffe, politische Isolation und die permanente Bedrohung durch regionale und globale Mächte zielen direkt auf ein politisches Projekt, das die kurdischen Freund:innen unter grossem Einsatz verteidigen. Die aktuellen Angriffe treffen eine Geschichte (feministischer) Selbstermächtigung, die bewusst gegen Nationalstaat, Kapitalismus und patriarchale Ordnung gerichtet ist. Ist diese Geschichte bedroht, so stellt sich umso mehr die Frage, was von den dortigen Erfahrungen gelernt und in andere Kontexte übertragen werden kann. Auch hinsichtlich der Navigation zwischen revolutionären Prozessen und realpolitischen Taktiken.
Auch in Europa lassen sich vielfältige Protest- und Widerstandsdynamiken beobachten – von Mobilisierungen gegen politische Rhetoriken und symbolische Ausgrenzungen über anhaltende Proteste gegen Korruption, z. B. in Serbien, bis hin zu Kämpfen gegen sozial- und gleichstellungspolitische Kürzungen.
In verschiedenen Ländern Asiens kam es zuletzt zu breiten Protestbewegungen, die wesentlich von jungen Akteur:innen getragen wurden. Auffällig sind dabei neue Formen der Mobilisierung, Vernetzung und Symbolpolitik, die eng mit digitalen Öffentlichkeiten, transnationalen Referenzen und popkulturellen Ausdrucksformen verbunden sind.
Beispiele aus verschiedenen regionalen Kontexten sind ebenso willkommen wie historisch oder konzeptionell ausgerichtete Beiträge.
Die Liste möglicher Perspektiven ist ausdrücklich offen. Widerspruch 86 möchte unterschiedliche theoretische Zugänge, politische Erfahrungen und empirische Beobachtungen miteinander ins Gespräch bringen.
Redaktion
WIDERSPRUCH